10.12.12

Evo Sonic Radioarchiv



Evo Sonic war der erste deutsche Radiosender welcher sich auf elektronische Tanzmusik spezialisierte und davon gibt es jetzt ein recht umfangreiches Backup welches ein lieber Mensch (nein, drei liebe Menschen) bei Zippyshare Hochgeladen hat.
Das müssen eine Menge Tapes sein die da digitalisiert wurden. Ich habe auf der suche nach Tapes ja auch mal ein kleines Archiv abgegriffen allerdings ging es da um Kiss FM und die Musik schockt mich jetzt nicht so, sollte jemand interesse haben kann er sich ja melden.
Das schöne an Evo Sonic ist, dass das Repertoir recht umfangreich ist. Von Drum n Bass über Hip Hop, Elektro, bis Trip Hop und Acid ist alles vorhanden. Und das schöne daran ist es sind Sets ohne viel gelaber, ohne Werbung, ohne Jingles.

Besonders gefallen mir gerade die Sendungen Stakker - Experimental Audio von Mate Galic und Subsonic, Acid. Was allerdings leider fehlt ist Selten gehörte Musik von der A-Musik Crew.

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Und hier die interessante Geschichte des Evo Sonic Radios welche ich hier fand:

Am 1. Mai 1997 ging evosonic radio zum ersten Mal von Köln aus on air. Das Signal konnte europaweit über Satellit und bundesweit in vielen Kabelnetzen empfangen werden. evosonic radio war damals der weltweit erste unabhängige Spartensender für elektronische Musik – einem Musikstil, der die Popkultur in den folgenden Jahren massiv beeinflussen würde. Für Insider und Anhänger der zu jener Zeit bereits äußerst facettenreich ausgeprägten ‘Szene’ war evosonic radio weit mehr als nur ein Sprachrohr. Es war ebenso Schmelztiegel der Stile, experimentelles Spielfeld und somit Katalysator für die Evolution of Sound. Als Botschafter der jeweiligen Genres standen dabei immer die DJs mit ihrer ganz persönlichen Musikauswahl im Mittelpunkt. Sie brachten erstmals den Clubsound 24 Stunden nonstop ins Wohnzimmer. Es gab so ziemlich alles bei evosonic radio – nur keinen Mainstream. Keine Hot-Rotation und auch keine Standard-Moderation. In vielerlei Hinsicht hat evosonic radio gezeigt, dass es auch anders geht.
Finanziert wurde der Sender größtenteils aus privaten Mitteln. Es gab also keine Verlagsgruppe, die mit Investitionen und Infrastruktur den Rücken gestärkt hätte – wie das bei den meisten Privatsendern der Fall ist. Erschwerend kam hinzu, dass die Werbebranche dieses Marktsegment noch gar nicht für ihre Kunden entdeckt hatte. Und wer nicht in der Media-Analyse vertreten war, konnte die großen Werbedeals gleich abhaken. Die Unterhaltskosten für einen Radiosender mit solch einer Reichweite waren enorm; und so kam es, dass evosonic radio bereits einige Monate nach Sendestart faktisch pleite war. Neben der Suche nach Investoren und Werbeverträgen wandte man sich nun auch mit Spendenaufrufen an die Hörer. Es sollte zumindest die Transpondermiete für das Satellitensignal finanziert werden, um die technischen Voraussetzungen für den weiteren Sendebetrieb aufrechterhalten zu können. Im Mitarbeiterstab hatte sich bereits ein großer Wechsel vollzogen: Die meisten Festangestellten und freien Autoren, die den Sendestart vorbereitet und die ersten Monate gesendet hatten, mussten sich nach anderen Erwerbsquellen umsehen und verließen evosonic radio. Diese Stellen wurden recht schnell von ehrenamtlichen Mitarbeitern übernommen, die aus Neugier und Idealismus ihre Energie in dieses Projekt steckten. Auch die DJs haben nie Gagen erhalten. Und dennoch machten sie weiter, angespornt durch den nicht enden wollenden Zuspruch der treuen Hörerschaft. Es gab nur ein Ziel: Weiter senden! Keep it alive!
Im Sommer 1998 musste evosonic radio aus dem Studio Follerstraße am Rheinufer ausziehen, da das Gebäude abgerissen wurde. In Köln-Deutz fand man ein neues zu Hause. Die Betreiber des Warehouse-Clubs hatten noch Räume frei, also richtete man sich dort ein. Doch schon nach ein paar Wochen verlor evosonic radio aufgrund Zahlungsschwierigkeiten endgültig seine Tonträgerfrequenz bei Super RTL. Sendeschluss. Die Bestürzung der Hörer äußerte sich in einer Flut von Faxen, Emails und Anrufen. Es kamen sogar welche aus Osnabrück, um Kerzen vor dem Studio aufzustellen. Verrückt. Und alle einte der Tenor „Das kann es nicht gewesen sein!“
In der gesamten Republik, besonders in den ostdeutschen Bundesländern bildeten sich Fangruppen und Initiativen, die Partys veranstalteten, um Geld für einen zweiten Sendestart zu sammeln und um das Andenken an evosonic radio zu erhalten. Die erste große Filesharing-Welle mit evosonic-Sendemitschnitten rollte durch die Republik. Nicht nur als mp3 – alle möglichen Datenträger wurden getauscht, zu der Zeit also auch viele Kassetten, Videobänder, Minidisks oder CDs. Die Sendepause setzte enorme Energien frei. Sowohl bei den evosonic-Fans untereinander als auch zwischen Hörern und Programmmachern entstand eine neue Dynamik. Viele Hörer identifizierten sich noch stärker mit ‘ihrem’ Sender; das evosonic-Team wiederum schöpfte aus diesem entgegengebrachten Enthusiasmus neue Kraft. Es lohnte sich weiter zu machen! Für was auch immer…
Also fuhr man erst mal trotz Sendeschluss auf die Love Parade und beschallte von einer riesigen Bühne den gesamten Ernst-Reuter-Platz. Das Universum muss die Good Vibrations vernommen haben. Da gab es doch tatsächlich zwei freie Untertonträger-Kanäle beim Deutschen Sportfernsehen (DSF) in Unterföhring und der Sender war verhandlungsbereit. Überraschenderweise signalisierte auch die Telekom als wichtiger Geschäftspartner, dass sie die evosonic-Akte noch nicht geschlossen habe. Und im Rahmen der Love Parade hatte evosonic neue Kooperationspartner gefunden. Da ging doch was!
Im Herbst 1998 kam grünes Licht von der Geschäftsleitung: Es geht weiter, der DSF nimmt evosonic mit auf Astra! Eine Standleitung Köln-München/Unterföhring wäre zu teuer gewesen, also bezogen fünf Kölner, ein Schwabe und ein Gärtner als neu formiertes Sendeteam im Oktober 1998 ihr neues Quartier auf dem Münchener Domagkgelände: Drei Büros und ein Luftschutzbunker, in den zwei Studios gebaut wurden. Do it yourself at its best. Die Schlafräume lagen im selben Trakt wie die Büros und immer zwei bzw. drei Leute teilten sich ein Zimmer. Gekocht wurde in der Gemeinschaftsküche am Ende des Flurs. Daneben befanden sich die zwei Waschräume – für alle Etagenbewohner. Kommune evosonic. Inmitten von Trucker Fahrern, Technischem Hilfswerk, Prostituierten und Künstlern. Egal. Hauptsache auf Sendung!
Inzwischen war der Neukult e.V. /evoclub gegründet worden – ein Verein zur Unterstützung des Sendebetriebs von evosonic im Speziellen und zur Förderung der elektronischen Musikkultur im Allgemeinen. Ein Großteil der evosonic-Aktivisten, die sich im Sommer für einen Relaunch engagiert hatten, wurden Fördermitglieder. Der Verein zählte in Spitzenzeiten an die 2.500 zahlende Mitglieder. So gestärkt und mit neuen Werbepartnern an Bord nahm evosonic radio am 1. November 1998 den Sendebetrieb wieder auf. Aufgrund des Ortswechsels hatte sich das DJ-Team etwas verändert. Nicht alle bisherigen evo-Residents konnten wöchentlich im Voraus produzieren, geschweige denn regelmäßig nach München kommen. Also rückte der elektronische Süden Deutschlands etwas stärker ins Hörfeld.
M

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