Evo Sonic war der erste
deutsche Radiosender welcher sich auf elektronische Tanzmusik spezialisierte und davon gibt es jetzt ein recht umfangreiches Backup welches ein lieber Mensch (nein, drei liebe Menschen) bei Zippyshare Hochgeladen hat.
Das müssen eine Menge Tapes sein die da digitalisiert wurden. Ich habe auf der suche nach Tapes ja auch mal ein kleines Archiv abgegriffen allerdings ging es da um Kiss FM und die Musik schockt mich jetzt nicht so, sollte jemand interesse haben kann er sich ja melden.
Das schöne an Evo Sonic ist, dass das Repertoir recht umfangreich ist. Von Drum n Bass über Hip Hop, Elektro, bis Trip Hop und Acid ist alles vorhanden. Und das schöne daran ist es sind Sets ohne viel gelaber, ohne Werbung, ohne Jingles.
Besonders gefallen mir gerade die Sendungen
Stakker - Experimental Audio von Mate Galic und
Subsonic, Acid. Was allerdings leider fehlt ist
Selten gehörte Musik von der A-Musik Crew.
Hier gehts zum Archiv
Und hier die interessante Geschichte des Evo Sonic Radios welche ich
hier fand:
Am 1. Mai 1997 ging evosonic radio zum ersten Mal von Köln aus
on air. Das Signal konnte europaweit über Satellit und bundesweit in
vielen Kabelnetzen empfangen werden. evosonic radio war damals der
weltweit erste unabhängige Spartensender für elektronische Musik – einem
Musikstil, der die Popkultur in den folgenden Jahren massiv
beeinflussen würde. Für Insider und Anhänger der zu jener Zeit bereits
äußerst facettenreich ausgeprägten ‘Szene’ war evosonic radio weit mehr
als nur ein Sprachrohr. Es war ebenso Schmelztiegel der Stile,
experimentelles Spielfeld und somit Katalysator für die Evolution of
Sound. Als Botschafter der jeweiligen Genres standen dabei immer die DJs
mit ihrer ganz persönlichen Musikauswahl im Mittelpunkt. Sie brachten
erstmals den Clubsound 24 Stunden nonstop ins Wohnzimmer. Es gab so
ziemlich alles bei evosonic radio – nur keinen Mainstream. Keine
Hot-Rotation und auch keine Standard-Moderation. In vielerlei Hinsicht
hat evosonic radio gezeigt, dass es auch anders geht.
Finanziert wurde der Sender größtenteils aus privaten Mitteln. Es gab
also keine Verlagsgruppe, die mit Investitionen und Infrastruktur den
Rücken gestärkt hätte – wie das bei den meisten Privatsendern der Fall
ist. Erschwerend kam hinzu, dass die Werbebranche dieses Marktsegment
noch gar nicht für ihre Kunden entdeckt hatte. Und wer nicht in der
Media-Analyse vertreten war, konnte die großen Werbedeals gleich
abhaken. Die Unterhaltskosten für einen Radiosender mit solch einer
Reichweite waren enorm; und so kam es, dass evosonic radio bereits
einige Monate nach Sendestart faktisch pleite war. Neben der Suche nach
Investoren und Werbeverträgen wandte man sich nun auch mit
Spendenaufrufen an die Hörer. Es sollte zumindest die Transpondermiete
für das Satellitensignal finanziert werden, um die technischen
Voraussetzungen für den weiteren Sendebetrieb aufrechterhalten zu
können. Im Mitarbeiterstab hatte sich bereits ein großer Wechsel
vollzogen: Die meisten Festangestellten und freien Autoren, die den
Sendestart vorbereitet und die ersten Monate gesendet hatten, mussten
sich nach anderen Erwerbsquellen umsehen und verließen evosonic radio.
Diese Stellen wurden recht schnell von ehrenamtlichen Mitarbeitern
übernommen, die aus Neugier und Idealismus ihre Energie in dieses
Projekt steckten. Auch die DJs haben nie Gagen erhalten. Und dennoch
machten sie weiter, angespornt durch den nicht enden wollenden Zuspruch
der treuen Hörerschaft. Es gab nur ein Ziel: Weiter senden! Keep it
alive!
Im Sommer 1998 musste evosonic radio aus dem Studio Follerstraße am
Rheinufer ausziehen, da das Gebäude abgerissen wurde. In Köln-Deutz fand
man ein neues zu Hause. Die Betreiber des Warehouse-Clubs hatten noch
Räume frei, also richtete man sich dort ein. Doch schon nach ein paar
Wochen verlor evosonic radio aufgrund Zahlungsschwierigkeiten endgültig
seine Tonträgerfrequenz bei Super RTL. Sendeschluss. Die Bestürzung der
Hörer äußerte sich in einer Flut von Faxen, Emails und Anrufen. Es kamen
sogar welche aus Osnabrück, um Kerzen vor dem Studio aufzustellen.
Verrückt. Und alle einte der Tenor „Das kann es nicht gewesen sein!“
In der gesamten Republik, besonders in den ostdeutschen Bundesländern
bildeten sich Fangruppen und Initiativen, die Partys veranstalteten, um
Geld für einen zweiten Sendestart zu sammeln und um das Andenken an
evosonic radio zu erhalten. Die erste große Filesharing-Welle mit
evosonic-Sendemitschnitten rollte durch die Republik. Nicht nur als mp3 –
alle möglichen Datenträger wurden getauscht, zu der Zeit also auch
viele Kassetten, Videobänder, Minidisks oder CDs. Die Sendepause setzte
enorme Energien frei. Sowohl bei den evosonic-Fans untereinander als
auch zwischen Hörern und Programmmachern entstand eine neue Dynamik.
Viele Hörer identifizierten sich noch stärker mit ‘ihrem’ Sender; das
evosonic-Team wiederum schöpfte aus diesem entgegengebrachten
Enthusiasmus neue Kraft. Es lohnte sich weiter zu machen! Für was auch
immer…
Also fuhr man erst mal trotz Sendeschluss auf die Love Parade und
beschallte von einer riesigen Bühne den gesamten Ernst-Reuter-Platz. Das
Universum muss die Good Vibrations vernommen haben. Da gab es doch
tatsächlich zwei freie Untertonträger-Kanäle beim Deutschen
Sportfernsehen (DSF) in Unterföhring und der Sender war
verhandlungsbereit. Überraschenderweise signalisierte auch die Telekom
als wichtiger Geschäftspartner, dass sie die evosonic-Akte noch nicht
geschlossen habe. Und im Rahmen der Love Parade hatte evosonic neue
Kooperationspartner gefunden. Da ging doch was!
Im Herbst 1998 kam grünes Licht von der Geschäftsleitung: Es geht
weiter, der DSF nimmt evosonic mit auf Astra! Eine Standleitung
Köln-München/Unterföhring wäre zu teuer gewesen, also bezogen fünf
Kölner, ein Schwabe und ein Gärtner als neu formiertes Sendeteam im
Oktober 1998 ihr neues Quartier auf dem Münchener Domagkgelände: Drei
Büros und ein Luftschutzbunker, in den zwei Studios gebaut wurden. Do it
yourself at its best. Die Schlafräume lagen im selben Trakt wie die
Büros und immer zwei bzw. drei Leute teilten sich ein Zimmer. Gekocht
wurde in der Gemeinschaftsküche am Ende des Flurs. Daneben befanden sich
die zwei Waschräume – für alle Etagenbewohner. Kommune evosonic.
Inmitten von Trucker Fahrern, Technischem Hilfswerk, Prostituierten und
Künstlern. Egal. Hauptsache auf Sendung!
Inzwischen war der Neukult e.V. /evoclub gegründet worden – ein Verein
zur Unterstützung des Sendebetriebs von evosonic im Speziellen und zur
Förderung der elektronischen Musikkultur im Allgemeinen. Ein Großteil
der evosonic-Aktivisten, die sich im Sommer für einen Relaunch engagiert
hatten, wurden Fördermitglieder. Der Verein zählte in Spitzenzeiten an
die 2.500 zahlende Mitglieder. So gestärkt und mit neuen Werbepartnern
an Bord nahm evosonic radio am 1. November 1998 den Sendebetrieb wieder
auf. Aufgrund des Ortswechsels hatte sich das DJ-Team etwas verändert.
Nicht alle bisherigen evo-Residents konnten wöchentlich im Voraus
produzieren, geschweige denn regelmäßig nach München kommen. Also rückte
der elektronische Süden Deutschlands etwas stärker ins Hörfeld.
M
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen